Bürgerhaus Mettingen

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 Das Bürgerhaus in der Burgunder Str. 6A war früher der Alte Bahnhof Mettingen. Ein geschichtlich interessantes und historisch wertvolles Gebäude. 
Unter König Wilhelm II. von Württemberg, der volksnah und beliebt war, wurde auf dem Gelände der Domäne Weil im Talgrund eine Pferderennbahn eingerichtet.
Eine verkehrstechnische Anbindung erfolgte durch den Bau des Bahnhofes in Mettingen.

Frau Bärbel Ruhm beschreibt in ihrem Buch
„Mettingen: Geschichte, Häuser und Bewohner um 1700 bis nach 1900"
den Werdegang des Gebäudes sehr ausführlich:
1904 erbaut: freistehendes 2stöckiges Stationsgebäude mit Treppenhausanbau von Stein unter abgewalmtem Satteldach, mit Zwerchhaus und Blitzableiter, gewölbter Keller
mit: nördlich 1 stöckige Auslieferungshalle von Fachwerk unter Satteldach, ohne eigene Wand angebaut
mit: südlich angebauter Wartehalle von Fachwerk unter Satteldach mit Vordach, 2 Wasserhähne, Gasleitung, 5 Laternen am Haus
a) 1 stöckiges freistehendes Abtrittgebäude von Holzwerk unter Satteldach und Abtrittgrube, Gasleitung.
Eigentümer war 1906 die „Königliche Eisenbahnverwaltung“,
1929 die „Deutsche Reichsbahngesellschaft“ und
ab 1931 war die Reichsbahndirektion Stuttgart Besitzerin des Gebäudes. Während dieser Zeit ab 1931 war Magnus Eizelle Schrankenwärter, Rudolf Frey Weichenwärter,
Karl Grün Stationsmeister. Im Bahnhofsgebäude war auch die Polizeinebenwache.
Das Bahnhofsgebäude, das nach Still-Legung der Gleise zunächst als Polizeiwache diente, wurde renoviert und am 30.09.2002 fand die Einweihung als Bürgerhaus statt.
Die Einweihung des Alten Bahnhofes war am 18.03.1904 (EZ 19.3.1904 - Auszüge).
Feier in den beiden Wartesälen der 2. und 3. Klasse: Die ersten auf den neuen Gleisen herankommenden Bahnzüge wurden von der Schuljugend jubelnd begrüßt. Der Wirt Joseph Ruoff „Zum Bahnhof“ (Bahnhöfle) weiß sich mit gesundem Humor über die Erstellung der Wartesäle und seiner Entlastung als Wartesaal-Inhaber zu trösten. Über seiner Tür stand:

           „Ihr liebe Leut´ dös ist koi Spass,
           I komm um d´zwoit und dritte Klass´
           Doch drum verlier i net da Muet,
           Denn erste Klass ist ällweit gut!“

Einweihung des Bahnhofes Mettingen (Tagblatt 25.3.1904 - Auszüge)
In den Wartesälen nahmen die Gäste und Einwohner nach der Begrüßung ein einfaches Vesper ein. Die hiesigen Wirte Hezinger, Weber, Ruoff und Vaihinger spendeten den Wein „Mettinger Jahrgang 1900“ dazu, die Metzger Schneider und Hezinger den Aufschnitt sowie die Bäcker Klein, Weber und Hezinger das Brot. Viele Reden u.a. vom Mettinger Schultheiß Böhmerle und OB Dr. Mülberger über die Bedeutung des Bahnhofes für das Gemeinwohl etc. (Blühen und Gedeihen für Mettingen) wurden gehalten. Schullehrer Wolf erinnerte:
1845 nach Erbauen der Eisenbahn:
           „Der Zug fährt stolz an uns vorbei, wer mit will, muss nach Essling nei“
1891 als eine Haltestelle ohne Warteraum eingerichtet wurde:
           „Des Zügle hält bei uns jo jetzt, doch´s Warta hot oft Zahnweh g´setzt.
1904 heißt es:
           „A End hot´s Warta uf der Gass, im Haus geit´s zweit´ und dritte Klass´.“
Schultheiß Böhmerle und Schullehrer Wolf hatten sich zielstrebig für die Verwirklichung des eingeweihten Bahnhofes eingesetzt. Damals wurde noch von einer zukünftigen linksufrigen Bahn und einem Pliensauübergang wunschvoll gesprochen, die anzustreben sind.
Zu Zeiten der Weiler Pferderennen benutzten viele die Eisenbahn. Die Vornehmeren fuhren mit Equipagen und Pferdedroschken. Zu diesen Anlässen bot sich den Mettingern ein buntes Bild höchster Eleganz. Militär-Musik-Kapellen sorgten ebenfalls in ihren bunten Uniformen für Aufsehen, besonders bei der Jugend, wenn diese anreisten, um bei den Pferderennen für Unterhaltung zu sorgen.

In dem heutigen Raum der „Bücher-Ecke“ befand sich abgetrennt eine Arrestzelle der Polizei-Nebenstelle.


Bilder[Bearbeiten]


Lage[Bearbeiten]