Zwieblinger
Aus Stadtwiki-Esslingen
Die Bürger Esslingens werden auch „Zwieblinger“ oder „Zwiebel“ genannt. Laut einer Legende soll der Teufel eines Tages beschlossen haben, Esslingen verkleidet und unerkannt einen Besuch abzustatten. Er kam durch das Tor an der Neckarhalde auf den Marktplatz wo gerade Wochenmarkt war.
Er wollte einen der schönen Äpfel die auf dem Wochenmarkt verkauft wurden und bat eine Marktfrau darum. Die Marktfrau erkannte den Teufel jedoch trotz seiner Verkleidung an Huf und Schwefelgeruch und gab ihm listig statt eines Apfels eine Zwiebel in die der Teufel herzhaft biss.
Voll Wut spukte der Teufel die Zwiebel aus und rief: „Das sollen eure Äpfel sein! Spott über euch Esslinger. Zwiebel sind es, scharfe Zwiebel. Deshalb sollt ihr künftig nicht mehr Esslinger heißen, sondern Zwieblinger!“
Voll Wut wegen der Zwiebel und weil er enttarnt war ergriff der Teufel die Flucht und wurde nie wieder in Esslingen gesehen. Die Fasnetsgesellschaft Esslingens heißt Die Zwieblinger, jedes Jahr wird in Esslingen das Zwiebelfest gefeiert und es gibt Bonbons und einen Likör mit dem Namen Esslinger Zwiebel.
Die Vorgeschichte der Esslinger als "Zwieblinger" beginnt mit dem Brief eines anonymen Autors, der im Oktober 1789 berichtet, dass "die Eßlinger-Zwiebeln zum Sprüchwort geworden [sind]" (P. W. G. Hausleutner (Hrsg.): Schwäbisches Archiv, Band 1, 2. Stück, Stuttgart 1789, S. 264). Der Hinweis auf den gartenähnlichen Gemüseanbau von Gurken und Zwiebeln zwischen Cannstatt und Esslingen ist für das ganze 19. Jahrhundert bezeugt. Wie es scheint, erwähnt Wilhelm Wachsmuth 1860, unter einer ganzen Anzahl von Ortsnecknamen, "die Eßlinger Zwiebeln, weil diese dort gebaut werden" zum ersten Mal (Wilhelm Wachsmuth: Geschichte deutscher Nationalität, Band 1, Braunschweig 1860, S. 158). In Siegfried Pfaffs Geschichte Markgröningen und der Schäferlauf wird dann bereits ein Eßlinger mit "Du, Zwiebel!" angesprochen (Erzählungen, Novellen und Skizzen aus Württembergs ältesten Tagen bis auf unsere Zeit, Band 1, Verlag von Albert Koch, Stuttgart 1866, S. 232). Karl Friedrich Wilhelm Wander veröffentlichte 1867 das litauische Sprichwort "Wem's einfällt mit dem Teufel um Aepfel zu gehn, den lässt er bald ohne Korb und Aepfel stehn" (Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für das deutsche Volk, Band 4, Leipzig 1867, S. 319).
Doch ist nirgends ein Hinweis auf die Esslinger Zwiebel-Sage zu finden. Offenbar scheint sie sich erst spät im protestantisch-kirchlichen Umfeld entwickelt zu haben, wie zum Beispiel der von Dr. K. G. Heusinger in den verbreiteten Protestantischen Monatsblättern veröffentlichte Aufsatz Der Teufel im Sprichwort nahelegt, in dem noch immer keine Andeutung zur Esslinger Sage feststellbar ist (H. Gelzer (Hrsg.): Protestantische Monatsblätter, Band 22, Heft 2, Gotha 1863, S. 108-112). Es steht daher zu vermuten, dass die Erzählung erst nach der Reichsgründung von 1870/71 als alte Volkssage "erfunden" wurde, wenn sie nicht sogar in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Erschaffung der teuflischen Wasserspeier-Figur des Zwiebelfressers an der Esslinger Frauenkirche Ende der 1880er-Jahre in Zusammenhang steht.

